Krankenkassen bezuschussen Kauf von Smartwatches

closeup hand using watch check stock financeGesundheitstechnik wie Schrittzähler, Pulsmesser, Kalorienzähler und Co werden immer beliebter. Mit sogenannten Wearables checken gesundheitsbewusste Menschen ihre Fitness – und sollen dafür künftig von der Krankenkasse belohnt werden. Doch die Bezuschussung von Smartwatches u.ä. ist umstritten. Sportlich, jung, offen für neue Trends zum Checken der persönlichen Gesundheitsbilanz. Das ist wohl für jede Krankenkasse der Traumversicherte. Um dieses Gesundheitsbewusstsein zu fördern, unterstützen Krankenkassen die Kunden, die Fitnessarmbänder, Smartwatches etc. kaufen möchten. Als erste bezuschussen die AOK Nordost und die DKV solche Geräte. 50 Euro soll es beim Kauf eines Wearables dazu geben; die kleinen praktischen Helfer dokumentieren Herzfrequenz, Streckenlänge, Höhenmeter und andere Daten. Auch die Apple Watch zählt dazu. Ein nettes Gimmick für einen Technikfreund. Die Frage bleibt bloß: Ist der Träger einer Apple Watch auch zwangsläufig ein Sportfreund?

Die Meinungen der Krankenkassen klaffen hierbei auseinander. Denn während die AOK Nordost argumentiert, dass die Digitalisierung längst im Alltag angekommen sei, und man den Zuschuss als speziellen Anreiz für technikaffine Versicherte gewähren möchte, zweifeln andere an der der Effizienz solcher Technik. Die IKK classic beispielsweise will den Erwerb von Uhren und Fitness-Trackern nicht bezuschussen, da der Kauf allein ja noch keinen Gewinn für die Gesundheit darstellt. Und auch wenn die Geräte genutzt werden, sei es einerseits fraglich, von wem, und andererseits, wieviel sie tatsächlich zur wünschenswerten Fitness beitragen. Viele andere Krankenkassen prüfen aktuell, ob sie Bezuschussungs-Angebote beim Geräte-Kauf einführen sollen, nämlich die Techniker Krankenkasse, die AOK Rheinland/Hamburg, die AOK Hessen und die AOK Bremen/Bremerhaven. Die Generali-Versicherung geht sogar so weit, im kommenden Jahr mit dem „Vitality-Programm“ gesundheitsbewusstes Verhalten mit einer App messen und belohnen zu wollen. Das betreffe dann diverse Versicherungssparten, auch Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Vergünstigungen – auch in Kooperation mit Sportartikelherstellern – könnten dann im Rahmen des Partnernetzwerks erfolgen.

Bestätigen lässt sich vor allem der Ansporn-Charakter von besagten Fitness-Gadgets. Gerade, wenn auch für andere Nutzer die eigenen Ergebnisse sichtbar sind, möchte sich kaum einer blamieren. Auch die Dokumentation der eigenen Werte kann positive Effekte haben: Der Nutzer trägt so einen Wettkampf gegen sich selbst aus und wird durch Erfolgserlebnisse motiviert. Um wirklich etwas zu bewirken, muss allerdings das gesunde Verhalten dauerhaft in den Alltag integriert und darf nicht nur punktuell verbessert werden. US-Forscher der University of Pennsylvania sehen skeptisch, dass Apps und Wearables nachhaltig wirken. Jeder kennt wohl seinen inneren Schweinehund und die Tatsache, dass Geräte, die diesem entgegenwirken sollen, die Motivation nur schwer aufrecht erhalten können.

Kritiker sehen Solidaritätsprinzip in Gefahr

Skeptiker warnen zudem davor, dass es irgendwann nicht nur Bonuszahlungen für vorbildliches Verhalten geben könnte, sondern umgekehrt Menschen mit einem ungesunden Verhalten benachteiligt werden oder als Versicherte abgelehnt werden könnten. So sei es doch entsetzlich, wenn die Alten und Kranken um ihre Stützstrümpfe betteln müssten und für die Apple-Jünger werden solche Beträge rausgeschmissen, kritisiert Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Was bei privaten Versicherungen möglich ist, verbietet bei gesetzlichen Krankenkassen das Solidarprinzip: Es besagt, dass jeder aufgenommen wird und alle gemeinsam die Kosten des einzelnen tragen.

Appnehmen auf Kosten des gläsernen Versicherten?

Zur Zweifelhaftigkeit über den Nutzen kommen erhebliche Bedenken aus Datenschutzgründen. Auch die Datenschutzbeauftragte des Bundestags, Andrea Voßhoff, warnte davor, mit sensiblen Gesundheitsdaten unachtsam umzugehen. Ob Krankenkassen oder andere Anbieter über BMI, Pulsrate oder Trainingsfrequenz informiert werden, entscheidet jeder Nutzer selbst. Zudem müssen die Krankenkassen gewährleisten, dass die Daten bei ihnen sicher aufgehoben sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.