Plastik – ein Ernährungsrisiko

Plastik in Ernährung 2Weichmacher gelangen über Verpackungen in unsere Lebensmittel und über Plastikmüll in unsere Nahrungskette. Sie können Krebs auslösen, das Erbgut verändern und Unfruchtbarkeit verursachen. Deshalb arbeiten Forscher nun an biobasierten Verpackungsalternativen. Plastik ist schön, Plastik ist praktisch, Plastik ist praktisch überall – heißt es in der prämierten Umweltdokumentation „Plastic Planet“ von Werner Boote. Laut einer 2015 veröffentlichten Studie wurden 2010 weltweit 275 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert.

Seit März dieses Jahres möchte die EU mit dem Beschluss, Plastiktüten besteuern oder in den einzelnen Ländern sogar verbieten zu dürfen, den Verbrauch reduzieren. Durchschnittlich nutzt jeder Deutsche 64 Plastiktüten im Jahr. Ein enormes Müllaufkommen, das zu vermeiden ist und vor allem der Umwelt helfen soll. Denn Plastik ist Gift für Natur und Tiere – aber auch für den Menschen.

Schonmal versucht, plastikfrei einzukaufen? In einem „handelsüblichen“ Supermarkt sind Sie da vor eine große Herausforderung gestellt. Selbst frisches Obst und Gemüse ist oft in Plastikfolie verpackt. Doch die Frischhalter bergen Risiken für unsere Gesundheit. Denn sie enthalten Weichmacher, die Kunststoffe flexibel und geschmeidig machen, kaum ein Kunststoffprodukt kommt ohne die Hilfsmittel aus. Die Chemikalien, von denen es mehrere Hundert verschiedene Varianten gibt, werden jedes Jahr in Mengen von mehreren Millionen Tonnen hergestellt. Für das Jahr 2018 erwartet das Marktforschungsunternehmen Ceresana Research eine Rekordnachfrage von 7,6 Millionen Tonnen an Weichmachern.

Weichmacher können Krebs auslösen, das Erbgut verändern und Unfruchtbarkeit verursachen

Während das Erbe des Plastikzeitalters nach Schätzungen von Umweltschützern für mindestens 500 Jahre in den Ozeanen der Erde schwimmen und Tiere gefährden wird, birgt es auch Risiken für die menschliche Gesundheit. Die Weichmacher, sogenannte Phthalate gelangen in unsere Nahrungskette. Einerseits weil wir Meerstiere essen, die die Plastikpartikel im Meer für Nahrung halten und aufnehmen, andererseits dadurch, dass sie in den mit Plastik verpackten Produkten vorkommen. Beim Menschen werden diese Chemikalien vor allem im Körperfett gespeichert und können laut einer Risikobewertung der EU-Kommission Krebs auslösen, das Erbgut verändern und Unfruchtbarkeit verursachen. Auch über Hautkontakt kann es zu den Wirkungen kommen, wenn die Substanzen über einen längeren Zeitraum aufgenommen und im Körper angesammelt werden.

Einige Weichmacher stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt zu stören. Bei einer zu hohen Dosis im Körper können sie schädliche Wirkungen auf Hoden, Niere und Leber haben. In Tierversuchen wurde durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgestellt, dass die Fortpflanzungsfähigkeit eingeschränkt wird und es zu Entwicklungsstörungen an den Geschlechtsorganen männlicher Nachkommen kommen kann. Einige Forscher vermuten, dass bestimmte Phthalate durch ihre hormonähnliche Wirkung Fettleibigkeit und Diabetes beim Menschen verursachen.

EU-weit gibt es für verschiedene Phthalate unterschiedliche Grenzwerte. In manchen Produkten wie in Kinderspielzeug, Babyartikeln, Kosmetika oder Lebensmittelverpackungen ist der Einsatz von Weichmachern inzwischen ganz verboten. Der Gesetzgeber zog nach einer alarmierenden Studie die Notbremse und verbietet seit 2007 einen bestimmten Weichmacher (DEHP) in Verpackungen fetthaltiger Lebensmittel. Seit 2015 darf DEHP nach der EU-Chemikalienverordnung REACH nicht mehr ohne Zulassung für die Herstellung von Verbraucherprodukten verwendet werden. Da der Stoff jedoch in Form von Importprodukten weiterhin eingeführt werden darf und in der Umwelt weit verbreitet ist, lassen sich Spuren in Lebensmitteln nicht vollkommen ausschließen. Hoffen lässt ein neuer Industriezweig: Die Herstellung biobasierter Weichmacher mit Rückgriff auf pflanzliche Rohstoffe.

Was kann der Verbraucher tun?

Plastikprodukte vollständig zu vermeiden, ist wohl sehr schwierig, aber ein bewusster Einkauf kann die Mengen an Chemikalien im Körper schon signifikant senken. Nach Möglichkeit sollten Obst und Gemüse auf dem Markt eingekauft werden, verschiedene Artikel lassen außerdem auf Glas- oder Verpackungen aus Pappe zurückgreifen. Für Kinder können Holzspielzeug und Naturerlebnisse sinnvolle Alternativen sein, da sie die Substanz nicht nur über die Nahrung, sondern zusätzlich beim Spielen über den Hausstaub aufnehmen und Kleinkinder zudem viele Dinge in den Mund nehmen. Und die einfachste Empfehlung lautet eigentlich: Zum Einkaufen immer Beutel, Tasche oder Rucksack dabei haben.

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