Vorsicht vor der Medikamentenmafia: Die Risiken der Arzneimittel-Kriminalität

Arzneimittelkriminalität_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.deDas Problem des Medikamentendiebstahls weitet sich mehr und mehr aus. Selbst der Kauf in deutschen Apotheken bietet keine Sicherheit mehr. Der Grund: Perfekt gefälschte Verpackungen. Es sind längst nicht mehr nur Lifestyle-Medikamente wie das Potenzmittel Viagra, muskelaufbauende Anabolika oder Abnahmepillen, die illegal und über das Internet vertrieben werden. Der kriminelle Schattenmarkt in Sachen Arzneimittel hat sich auf sämtliche Bereiche der Pharmaka und die legalen Verkaufswege ausgedehnt. Dass es sich hierbei um Krebsmedikamente, Antibiotika, Antibabypillen, Schmerzmittel und Blutdrucksenker – letztlich die gesamte Palette an Medikamenten – handeln kann, macht den Umstand umso alarmierender. Denn für Betroffene kann die Falscheinnahme den Tod bedeuten.

Dass man vor gefälschten Medikamenten, selbst beim Kauf in den Apotheken, nicht mehr gefeit ist, hängt an den technisch besonders ausgereiften Methoden, täuschend echte Verpackungen herstellen zu können. So können nicht mal die Apotheker die Mogelpackungen erkennen – sie müssten jedes Produkt eingängig prüfen, und aus der Verpackung herausnehmen, um sicherzugehen. Wenn eine Fälscherbande weiß, wo sie suchen muss, ist es ihr über Server auf der ganzen Welt möglich, entsprechende Druckdateien von Medikamentenverpackungen online zu finden. Auch die Beschaffung von Wirkstoffen stellt keine Herausforderung mehr dar. Über Online-Shops der chemischen Industrie in Asien sind diese leicht bestellt, auch Hologramme und andere Sicherheitsmerkmale sind auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Mit Hilfe von Chargennummern und aktuell im Verkauf vorkommenden Verfallsdaten können ausländische Verpackungen bequem am Computer auf deutsche Originale umgeschrieben werden.

Nach der Apothekenbetriebsordnung müssen zwar Stichproben geprüft werden, dabei ist jedoch keine bestimmte Anzahl vorgeschrieben. Einige Apothekerkammern empfehlen eine Prüfung pro Werktag. Wenn aber weder Packung, Beipackzettel noch Inhalt auffällig aussehen, erfolgt in der Regel auch keine Prüfung der Tabletten, Tropfen oder Infusionen. Nach Plänen der Bundesregierung soll es bis 2018 für Apotheken ein fälschungssicheres System für Verpackungen geben. Auch die EU versucht, mit Hilfe einer verabschiedeten Richtlinie, Arzneimittelfälschungen gegenzusteuern.

Kriminelle nutzen Komplexität der Lieferketten

Besonders besorgniserregend ist es für Pharma-Spezialisten, dass die weltweiten Lieferketten der Produktion inzwischen so komplex und unübersichtlich sind, dass selbst seriöse Hersteller nicht mehr sicherstellen können, dass in den Medikamenten immer genau das steckt, was hineingehört. Sie müssen sich auf ihre Zulieferer verlassen, doch Kriminelle machen sich genau diese Komplexität zu nutze, indem sie in die Versorgungsketten eindringen. Auch die italienische Mafia scheint bei dem Geschäft im großen Stile mitzumischen. Experten sind sicher, dass es ihr auf besonders professionelle Weise gelingt, Medikamente zu stehlen, zu strecken oder zu manipulieren und dann nach Nordeuropa zu liefern.

Der Handel ist besonders lukrativ: Die Banden überfallen meist Krankenhäuser oder Transporter und werfen die gestohlenen Medikamente im Anschluss entweder auf den Schwarzmarkt oder „waschen“ sie über fingierte Zwischen- oder Großhändler in Italien oder Osteuropa, um sie wieder in den legalen Handel einzuschleusen. Wachsamkeit gilt dann vor allem für die Krankenhäuser, Ärzte und Apotheken. Über die Chargennummer kann ermittelt werden, ob es sich um gestohlene oder manipulierte Arzneimittel handelt. Während die Gewinne aus dem Diebesgut außerordentlich hoch sind, agiert die Mafia mit einem verhältnismäßig kleinen Risiko. Denn die Strafen für den Diebstahl legaler Arzneimittel in Italien sind nicht annähernd so hoch wie etwa für Drogenhandel.

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